und weiter gehts in Australien…

März 20, 2011

Ich erkunde mit meinen Eltern allein den Süden, wo es viel mehr zu entdecken gibt, als gedacht. Es geht in einen Wildpark, wo wir die Bewohner Australiens in freier Natur beobachten können.

ein Koala

Wallabies

Känguruh

ein Wombat

Papageien

Pelikane

In Victor Harbour erkunden wir die Gegend wieder per Fahrrad und bestaunen spät abends die kleinsten Pinguine der Welt, die dann an Land kommen.

 

Radtour in Victor Harbour

Nachtaufnahme der Pinguine

Dann geht es den Murray River entlang ins Landesinnere, wo der Regen noch alles fest im Griff hat. Der Fluss ist auf seiner gesamten Länge überflutet, Straßen wurden weggerissen und Häuser sind abgesackt. Kurz vor unserem Ziel ist auch unsere Straße gesperrt und ich halte an. Dann kommt noch ein Auto und nach kurzer Absprache beschließen wir, es einfach mal zu versuchen. Wir fahren an Baufahrzeugen vorbei, die dabei sind, die Straße zu reparieren. Die hupen zwar aber wir fahren weiter und sind kurz darauf wieder auf befestigter Fahrbahn. Wir freuen uns schon es geschafft zu haben, als wir vor einer weggerissenen Brücke stehen. Es bleibt uns nichts anderes übrig als wieder umzukehren. Zum Glück kennt sich das andere Auto hier aus und führt uns über ein paar Feldwege ans Ziel, also doch noch Glück gehabt.

eigentlich fließt der Murray river nur in der Mitte, rechts und links ist Überschwemmungsgebiet

Es geht ja so langsam auf Weihnachten zu und in dem Städtchen Loxton ist alles sehr weihnachtlich gestaltet. Wir bekommen zum ersten Mal ein bißchen Vorweihnachtsgefühle. Jedes Jahr gibt es hier ein Weihnachtsbaum-Schmückthema und dann versucht jeder den hübschesten Baum zu schmücken. Diese werden dann in der Gemeindehalle ausgestellt. Dieses Jahr ist das Thema “Australien”, so dass an fast jedem Baum eine Fliegenklatsche hängt. Abends gehen wir zu einem Weihnachtschorsingen und dann machen wir eine Rundtour durch die Stadt und sehen uns die tolle Weihnachtsbeleuchtung an. Mehrere Hausbesitzer wetteifern, wer die schönste hat. Da es nur um die 10 Grad sind, fühlen wir uns ein bißchen wie zu Hause.

die Weihnachtsbaumaustellung

Weihnachten auf australisch

das Weihnachtskonzert

Weihnachtsbeleuchtung

Bevor wir wieder die Küste erreichen stoppen wir noch bei den Naracoorte Caves, wo es verschiedene Höhlensysteme gibt. Hier sind Wissenschaftler am Ausgraben von prähistorischen Knochenfunden. Die nachkonstruierten Tiere aus der Urzeit sehen schon gespenstig aus. Es gibt auch eine der wenigen Fledermaushöhlen in Australien. Diese bekommen gerade ihre Jungen und wir haben das Glück dies per Infrarotcamera mit ansehen zu können. Die Kameras sind auch zu wissenschaftlichen Zwecken in den Höhlen angebracht worden. Die Jungen werden nach der Geburt gleich an die Deckenwand “geklebt”, wo sie hängen bleiben. Alle Mütter bringen ihre Jungen zur gleichen Stelle, so dass es dort nur so von Fledermausbabys wimmelt. Dass jede da ihr Junges wieder erkennt ist schon erstaunlich.

Naracoorte Höhlen

prähistorisches Tier

In Mount Gambier müssen wir uns natürlich den “blue lake” ansehen. Im Sommer ist der Cratersee strahlend blau. Dann treten nämlich die Partikel, die für die Färbung verantwortlich sind, an die Oberfläche. Im Winter hat er eine normale Seefarbe. Ich wundere mich, dass er dieses Jahr auch so blau ist, da von Sommer nicht so richtig die Rede sein kann. War es im Norden zu heiß, so ist es im Süden viel zu kalt für die Jahreszeit. Abends beschließen wir essen zu gehen, um uns in einem Restaurant mal so richtig aufwärmen zu können und dass im australischen Sommer. Bevor es am nächsten Tag weiter geht sehen wir uns noch die eingestürzte Grotte an, die die Stadtbewohner zu einer tollen Gartenanlage umfunktioniert haben – Ideen muss man haben.

der blaue See in Mt. Gambier

eingestürzte Grotte als Garten

Dann kommt das zweite Highlight nach Ayers Rock, die Great Ocean Road. Leider haben wir auch hier nicht das beste Wetter, was der Faszination dieser Gegend aber keinen Abbruch tut. Die okerfarbenen Sandsteinformationen in der tosenden blauen See fesseln meinen Blick und ich kann mich immer nur schwer losreißen, um zum nächsten lookout zu fahren. Leider hinterläßt die Zeit und die Naturgewalten (Wind, Wasser, Sonne) ihre Spuren an den Formationen. So stehen auch nicht mehr 12 Apostel an dem berühmten Aussichtspunkt im Wasser und die London Bridge ist vor mehreren Jahren ohne jede Vorankündigung eingebrochen. Es war am Tage und natürlich standen Leute auf der Brücke. Zum Glück wurde niemand verletzt. Die Menschen mussten per Hubschraubern abgeholt werden.

Great Ocean Road

die London bridge, die Verbindung zum Land ist ohne Vorankündigung abgebrochen

bizarre Sandsteinformationen

der nächste Regen ist nicht weit

die 12 Apostel

Nur 20 km ins Landesinnere gibt es den Sky Top Walk, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Größer kann die Abwechslung nicht sein. Eben waren wir noch am Meer und nun spazieren wir über den Baumgipfeln in einem Regenwaldgebiet herum. Vor der Konstruktionsleistung des Architekten ziehen wir den Hut. Der “Weg über den Wolken” ist 35 m hoch und einen knappen Kilometer lang. Wir sind in Augenhöhe mit vielen Vögeln und sehen noch den Nebel aufsteigen, da es gerade mal wieder geregnet hat. Ich fühle mich wie in einem Tarzanfilm.

auf dem Sky Top walk

über den Baumgipfeln

mit dem Papageien auf Augenhöhe

Nach so viel Natur ist mal wieder eine Großstadt dran und zwar diesmal Melbourne. Meine Eltern haben sich auf dem Campingplatz ein Bungalow mit Heizung gemietet, da es zum Campen einfach zu kalt ist und ich schlafe im Camper. Als wir hier ankamen goß es in Strömen, so dass diese Lösung für uns alle die Beste ist. Melbourne ist im Gegensatz zu Adelaid eine richtige Großstadt, die mir aber auch sehr gut gefällt. Es gibt viele kleine Gäßchen mit netten Cafes und für australische Verhältnisse viele schöne alte Gebäude. Es wird eine kostenlose Stadtführung auf deutsch angeboten und wir haben Glück. Wir sind die einzigen Interessenten für diese Tour, so dass wir unseren privaten Führer haben, wo wir natürlich viel mehr erfahren, als bei einer großen Gruppe.

downtown Melbourne

in den Arkaden ist es weihnachtlich

die Hafengegend

downtown Melbourne liegt direkt am Fluss

Abends tun uns die Füße vom vielen Laufen weh, als wir mit dem Bus zu unserem Campingplatz fahren. Müde kommen wir an und trauen unseren Augen kaum, als plötzlich Peter um die Ecke kommt. Ich bin gleich wieder hellwach und wir freuen uns alle riesig. Seine Wanderung ist eher ein Wassertreten gewesen und er ist auch ordentlich erkältet. Queensland hatte wohl noch nie so viel Regen wie dieses Jahr, so dass der Ranger sich auch sehr wunderte, als Peter alleine loslief. Er hatte sich eine anspruchsvolle Strecke ausgesucht und war teilweise bis zu den Knien im Schlamm versackt. Seine Sachen und das Zelt waren irgendwann klitsch nass, die er bei dem Wetter auch nicht wieder trocken bekam. Etwas gefrustet kam er dann wieder in Brisbane an. Inzwischen hatte Jörg ihm eine Mail geschrieben, dass er im Moment nichts helfen könne, so dass Peter sich spontan entschloss, in den nächsten Flieger nach Melbourne zu steigen. Da ich ihn immer auf dem Laufenden hielt, wo wir gerade sind, war es für ihn nicht schwer uns zu überraschen. Die Überraschung ist ihm gelungen!

Wir sind wieder komplett und Weihnachten steht vor der Tür. Wieder haben wir Glück. Wir bekommen die schönste Stelle auf dem Campingplatz, der direkt am Hume Damm liegt. Kurz bevor wir kamen hat derjenige, der den Platz schon lange reserviert hatte, abgesagt. Das Wetter spielt mit und traditionell wird der Weihnachtsbaum am Heiligenabend geschmückt, den wir uns noch in Melbourne gekauft haben. Wir spielen eine Runde und zum Kaffee gibt es echte Deutsche Stolle. Eine kleine Bescherung darf natürlich nicht fehlen und zum Abendbrot gibt es Lachs mit Kartoffelsalat. Ich glaube es ist egal, wo wir auf der Welt sind, zu Weihnachten wird immer etwas zu viel gegessen. Es ist ein toller Tag mit einer superschönen Aussicht auf den See, den wir bestimmt nicht vergessen werden.

unser Weihnachtsquartier

Heiligabend, der Weihnachtsbaum wird geschmückt

Weihnachten 2010

Nun fängt die Zeit an zu rennen und wir müssen uns etwas beeilen, da meine Eltern bald nach Hause fliegen. Es geht also weiter nach Canberra, der Hauptstadt Australiens. Diese Stadt ist auf dem Reißbrett geplant worden, so dass alles sehr großzügig angelegt ist. Es ist alles nett, es ist alles sehr grün aber ein gewisses Flair fehlt einfach. Wir gehen ins Museum, sehen uns die ganzen Denkmäler an und begutachten natürlich das alte und neue Parlament. Die eingeplanten 3 Tage reichen aber auch aus und dann geht es zur letzten gemeinsamen Station, nach Sydney.

downtown Canberra

Anzac Parade mit dem War Memorial im Vordergrund und dem neuen und alten Parlamentsgebäude im Hintergrund

das neue Parlament

der Sitz des Parlaments

Wir überlegen schon seit mehreren Tagen, was wir zu Silvester machen wollen. Wir lesen im Internet und telefonieren mit Touristenbüros, da wir gerne das Feuerwerk an der Harbour Bridge sehen wollen. Nach unserer Recherche wissen wir, dass es sehr voll sein wird und dass man schon sehr früh da sein muss. Wo nun der beste Platz ist wissen wir noch nicht. Die Karte mit den vielen verschiedenen Eventpunkten ist etwas verwirrend und dann bleibt da noch die Frage, wie man hin und wieder zurück kommt. Ausschlaggebend für unsere Entscheidung ist dann letztendlich unser Campingplatzbesitzer in Sydney, der schon des öfteren da war und uns berät. Abends am 30.12 beschießen wir also uns am nächsten Morgen mitten ins Gewühl zu stürzen. Peter weckt mich um 6 Uhr, da um 7.30 Uhr unser Zug nach downtown Sydney fährt. Ich als Langschläferin bekomme kaum meine Augen auf. Wir haben gestern schon alles zusammen gepackt und unser Nachbar fährt uns zum Bahnhof. Wir sind mit unseren Campingstühlen, Spielen, Lebensmitteln und warmen Sachen ausgerüstet. Um 8.30 Uhr sind wir in downtown und laufen zum Einlaßpunkt für den Botanischen Garten, zu “Mrs Macquaries Point”. Wir finden, dass wir super früh dran sind und trauen unseren Augen kaum, als wir die Schlange sehen, die sich über mindestens einen Kilometer erstreckt. Irgendwie ist alles noch ziemlich ungeordnet und die meisten stellen sich nicht hinten an. Wir stehen auch recht weit vorne, als plötzlich Bewegung in die Masse kommt und dann stehen wir auf einmal ziemlich weit vorne. Jetzt kommen die Ordner und sperren alles ab und passen auf, dass sich alle hinten anstellen. Es ist super heiß und wir stehen mitten in der Sonne. Um 10 Uhr werden die Tore geöffnet und es geht ganz langsam voran, da es Taschenkontrollen gibt. Um kurz nach 11 Uhr sind wir durch den Eingang und beeilen uns zum Aussichtspunkt zu laufen. Der Eintritt ist übrigens kostenlos. Da wir so weit vorne stehen haben wir Glück und können uns unseren Platz noch aussuchen. Wir nehmen natürlich einen Schattenplatz mit Blick auf die Oper und die Harbour Bridge und breiten unsere Decken aus. Wir bekommen auch ein spezielles Armband, da nur eine bestimmte Anzahl von Leuten in den Sektor darf, den wir uns ausgesucht haben. Es ist 12 Uhr, als wir unsere Campingstühle aufstellen und erschöpft hineinsinken. Hier herrscht Volksfeststimmung und man kommt schnell mit seinen Nachbarn ins Gespräch und der Blick ist einfach traumhaft. Die Zeit vergeht wie im Fluge und wir kommen gar nicht dazu zu spielen. Um 17 Uhr gibt es eine kleine Flugshow und um 21 Uhr folgt das kleine Feuerwerk (15 min.). Nun ist die Zeit nicht mehr lang bis Mitternacht und wir bewundern das große Feuerwerk (20 min.). Es hat sich auf alle Fälle gelohnt hier her zu kommen und wir haben das frühe Aufstehen nicht bereut. Es ist ein einmaliges Erlebnis, wenn man zu Silvester schon mal in Sydney ist. Es ist kaum zu glauben aber jetzt haben wir schon 2011, happy new year.

beim Viewpoint Mrs. Macquarie

gemütlich auf unseren Campingstühlen

da fällt das Warten leicht

prost Neujahr

Zum Abschluss besuchen wir noch unsere Freunde auf ihrer Farm und bringen von dort aus meine Eltern zum Flughafen. Wir verschätzen uns mit der Fahrzeit, so dass die Abgabe des Campers und das Einchecken etwas hektisch verläuft. Meine Eltern fliegen nach Berlin und Peter fliegt nach Brisbane, um Jörg beim Boot zu helfen. Ich bleibe noch eine Woche in Sydney, um mich mit meiner Freundin Annette zu treffen, die hier Freunde besucht. Schwer bepackt fahre ich zu meinem backpacker nach Kings Cross. Ich will noch versuchen einige von unseren Campingsachen hier zu verkaufen. Ich genieße die Tage mit Annette und auch die Tage, wo ich mal ganz alleine, nur mit mir unterwegs bin.

die Farm unserer Freunde

ihre Alpakas

ihr Kälbchen

Abschied von Australien

unser Mädchenzimmer im Backpacker

Annette und ich ziehen durch Sydney

Dann fliege auch ich nach Brisbane zum Boot, wo wie immer mehr Arbeit wartet als gedacht. Jörg sagt Polaris ein paar Tage später tschüß. Er fliegt zur Erholung nochmal zu Noel nach Liapari, in die Solomons, bevor er nach Berlin fliegt. In den nächsten Wochen heißt es für Peter und mich: Schleifen, malern, lackieren, putzen, räumen, organisieren und noch alle Restarbeiten für unsere Abfahrt und den Verkauf vorbereiten. Wir werden unser Boot bei unserem broker lassen und die Daumen drücken, dass sich schnell ein Käufer findet. Polaris sieht wieder schick und frisch renoviert aus, so dass der nächste Eigentümer gleich in See stechen kann. Unser nächstes Ziel heißt Südindien. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet. Wir haben schon so viel gehört und wir sind auf alles vorbereitet.

Peter beim schleifen

ich beim Bilge streichen

Abschied von Polaris

und wieder in Down Under…

Februar 14, 2011

Der zweite Teil unserer gemeinsamen Reise beginnt in Darwin, ganz im Norden Australiens. Der Start ist traumhaft, da wir uns zur Entspannung ein super Apartment direkt am Meer mieten. Die Terrasse läßt keine Wünsche offen und es gibt jeden Tag ein leckeres BBQ. Das einzige, was uns ziemlich zu schaffen macht, ist das luftfeuchte heiße Klima – wie man hier freiwillig leben kann ist uns ein Rätsel. Da kommt uns das Wellenbad und der geschützte Strand, direkt vor unserer Haustür, gerade recht.

unser Apartment

die tolle Terrasse

as good as it gets

bitte zu Tisch

wir genießen

Als wir eine Woche später unseren Maui Camper abholen haben wir eine heftige Auseinandersetzung mit dem Manager Brian Holland. Dieser will uns das Auto mit zwei einseitig abgefahrenen Vorderreifen übergeben, wovon einer garantiert nicht mehr verkehrstauglich ist.

abgefahrene Reifen

Er will uns doch tatsächlich einreden, dass der Reifen noch okay sei und bleibt auch nach 20 Minuten Diskussion bei seiner Meinung. Immer wieder hält er uns den Mietvertrag unter die Nase, den wir endlich unterschreiben sollen oder wir hätten eben kein Auto. Schließlich bestehen wir darauf, dass Herr Holland im Vertrag unsere Reklamation schriftlich festhält, mit dem Hinweis, dass wir, im Gegensatz zu ihm, den Reifen für verkehrsuntauglich halten. Jetzt ändert sich die gesamte Situation schlagartig. Er ist auf einmal ganz freundlich und lenkt ein. Er versichert uns, dass er nicht wolle, dass unsere Reise mit Ärger beginne, so dass er jetzt dafür sorgen werde, dass beide Vorderreifen sofort gewechselt werden. Ein ungeheuertlicher Vorfall, bestimmt sind nicht alle Kunden so hartnäckig wie wir und der eine oder andere hätte einfach unterschrieben und wäre mit dem kaputten Reifen losgefahren.

unser Maui Camper

Wir kaufen uns noch das unerläßliche Moskitozelt und dann kann unsere Tour beginnen. Im Outback können einem vor allem die Tausende von Fliegen das Leben zu Hölle machen. Sie sind überall und am liebsten fliegen sie in Mund, Augen. Ohren und Nase. Ich kann genau mitfühlen, wenn ich Leute beobachte, die ständig mit ihren Händen vor ihrem Gesicht hin und her wedeln. Mehr als einmal werden wir um unser Zelt beneidet.

das unerläßliche Moskitozelt

der einzige Schutz gegen die Fliegen, wenn man nicht im Zelt ist

Unser erster Stop ist der Litchfield Nationalpark mit seinen vielen Wasserlöchern. Hier läßt es sich bei der Hitze gut aushalten. Unser Lagerfeuer lassen wir uns abends aber trotzdem nicht entgehen, wir halten dann eben einen größeren Abstand zum Feuer. Die Termiten scheinen die Hitze zu lieben, Es gibt hier mit die größten Termitenhügel in Australien.

die Wangi Falls

noch eine Erfrischung

der riesige Termitenhügel

Im Gegensatz dazu kann sich meine Mutter mit dem Klima hier oben nicht so richtig anfreunden. Auch ich habe meine Probleme. Der Schweiß tropft aus allen Poren und auch nachts kühlt es nicht ab. Im Kakadu Nationalpark scheint es noch wärmer zu sein. Wir sind eben zur falschen Jahreszeit in dieser Gegend. Trotz all dieser Umstände genießen wir die tolle Natur und sind von der Vogelwelt schwer beeindruckt. Ein Höhepunkt ist die Bootstour zum Sonnenaufgang auf dem Yellow River.

Sonnenaufgang am  Yellow river

Kakadu N.P.

Störche

ein Wasserläufer

ein Krokodil

eine Schlange

ein Seeadler

Hier kann man auch durch bizarre Felsformationen wandern und Jahrhunderte alte Aboriginalzeichnungen bestaunen, die noch erstaunlich gut erhalten sind. Der Park macht seinen Namen auch alle Ehre. Auf den Campingplatz können wir morgens und abends hunderte von Kakadus bestaunen.

Kakadu N.P.

Felszeichnungen

überall  auf dem Campingplatz sind Kakadus

Aufgrund des ungewöhnlich vielen Regens dieses Jahr muss unsere geplante Kanutour in Kathrine Gorge leider ausfallen. Die einzelnen Schluchten sind nicht mehr sicher. Aufgrund des hohen Wasserstandes können die gefährlichen Salzwasserkrokodile in die Schluchten gelangt sein, denen man nicht im Kanu begegnen möchte. Es bleibt wieder nur eine Bootstour, um die wunderschönen Canyons zu bewundern.

Kathrine Gorge

Kathrine Gorge

Je weiter wir in Richtung Süden kommen, umso angenehmer wird das Klima. Als wir Devils Marbels (die Kugeln des Teufels) erreichen, wird die Wärme trockener und erträglicher. Es ist ein ganz außergewöhnlicher Ort. Mitten im flachen Outback liegen diese großen runden Felsbrocken einfach in der Gegend rum. Man darf hier direkt campen und als wir abends bei Vollmond vor unserem Lagerfeuer sitzen, will ich gar nicht ins Bett. Ich kann verstehen, dass dies für die Aboriginals ein mystischer Ort ist. Die Sterne funkeln am Himmel und die Felsen wirken nachts unheimlich.

devils marbels

devils marbels

devils marbels

devils marbels

devils marbels

In Alice Springs, der “Hauptstadt” des Outbacks erreichen wir wieder die Zivilisation. Wir können unsere Vorräte aufstocken, eine der vielen aboriginal Kunstsammlungen bewundern, essen und ins Kino gehen sowie den Desert Park (Wüstenpark) bewundern. Hier regnet es eigentlich so gut wie nie, nur dieses Jahr ist alles anders. In einer Nacht regnet es so stark, dass unser Zelt den Wassermassen nicht ganz stand hält. Unter unserem Zeltboden hat sich eine Riesenpfütze gebildet, so dass der Boden von innen naß wird und vom Zeltdach tropft es auch durch einige Nähte. Mein Vater ruft aus dem Camper, ob wir ins Auto kommen wollen, da er Angst hat, dass wir “wegschwimmen”. Am nächsten Tag haben sich die ansonsten trockenen Flußbetten in reißende Flüsse verwandelt so, wie man es sonst immer nur im Fernsehen sieht. Das Wetter ist natürlich Gesprächsthema Nummer eins.

Alice Springs

im Desert Park, thorny devil

im Desert Park, Eule

aboriginal Kunst

Didgeridoos

 Peter beim Spielen

Das ansonsten okerfarbende Outback hat sich durch den vielen Regen in ein grünes Outback verwandelt, überall sprießen bunte Wildblumen. In dieser Form sieht man es wohl nur alle fünfzig Jahre und ich wollte meinen Eltern die Wüste zeigen…

überall Wildblumen

alles ist grün

es blüht

Natürlich blüht auch alles rund um den Ayers Rock, eines der Highlights unserer Rundtour. Ich kann nicht erklären warum der Uluru so etwas Besonderes ist, man muss da gewesen sein, um es zu verstehen. Ich dachte früher immer, dass es doch nur ein großer Fels mitten im Nichts ist und dafür so eine weite Anreise. Wenn man da ist, weiß man aber, dass es sich gelohnt hat. Ich habe jedenfalls mit noch niemanden gesprochen, der es bereut hat, den weiten Weg gemacht zu haben. Natürlich stehen auch wir zum Sonnenauf- und -untergang mit vielen anderen Reisenden an den Aussichtspunkten und tausende von Fotos werden geschossen. Das Farbenspiel muss man gesehen haben, dies gehört einfach dazu und ist fun. Meine Eltern laufen tapfer die 10,5 km mit uns um den Ayers Rock herum und erst jetzt sieht man wie zerklüftet er ist. Zum Abschluss gönnen sie sich noch ein unvergessliches Abendessen unterm Sternenhimmel am Uluru, mit Sternendeuter und Didgeridoospieler, genau der richtige Abschluss.

das Farbenspiel zum Sonnenuntergang

das Farbenspiel zum Sonnenuntergang

Abendstimmung

der Aufstieg zum Gipfel

Rundgang um den Uluru

Rundgang um den Uluru

Rundgang um den Uluru

Rundgang um den Uluru

wir Frühstück am Aussichtspunktparkplatz nachdem alle anderen weg sind

Unser Weg führt uns weiter zur ungewöhnlichen Wüstenstadt Coober Pedy, wo Opale geschürft werden. Es ist schon erstaunlich, wo sich Menschen ansiedeln, wenn es etwas zu schürfen gibt. Coober Pedy heißt übersetzt – weißer Mann im Loch. Da im Sommer Temperaturen um die 50 Grad an der Tagesordnung sind leben die Menschen hier unter der Erde. In den Höhlen herrscht das ganze Jahr über ein angenehmes Klima um die 25 Grad. Aus den primitiven Anfängen sind natürlich schöne und moderne Höhlenwohnungen geworden, wo es so aussieht, wie bei uns zu Hause. Vorteile sind, dass man sich ein oder zwei zusätzliche Zimmer graben kann, wenn die Wohnung zu klein wird und dass es keinen Ärger mit lauten Nachbarn geben kann, da die Wohnungen absolut schalldicht sind. Etwas gewöhnungsbedürftig dürfte die Tatsache sein, dass es stockdunkel ist und man seine Hand vor den Augen nicht sehen kann, wenn das Licht ausgeschaltet ist.

Coober Pedy, die Opalstadt

Opalschürfgebiet

in einer alten Opalmine

wenn man Glück hat findet man etwa

so hat man früher gewohnt

und so wohnt man heute

mit immer angenehmen 25 Grad

Kurz nach Coober Pedy verlassen wir das Outback und erreichen wieder das Meer. Schon ein ungewöhnlicher Anblick nach so langer Zeit in der Wüstengegend und ich freue mich mal wieder in die Fluten springen zu können.

unweit von Coober Pedy, die sog. breakaways

kurz bevor wir zur Küste kommen, die Salzseen im Outback

im Outback besuchen uns immer wieder Wallabies

wieder am Meer

Hier im Süden, in der Umgebung von Adelaide, entdecken wir ein völlig anderes Australien. Es gibt hohe Bäume, Rasen, Blumen, Weizenfelder, Weinberge und alles ist dichter besiedelt. Wir fühlen uns an Europa erinnert. Hier sind die Benzinpreise auch wieder normal und nicht so überteuert, wie im Outback. Überall gibt es kostenlose Weinproben, so dass auch wir das eine und andere mal einkehren. Ich bin jedoch erstaunt, wie teuer der Wein direkt beim Hersteller ist. Australien ist im Vergleich zu Deutschland sowieso sehr teuer geworden. Die Lebensmittelpreise liegen im Schnitt um die 50% über unseren. Australien ist kein preiswertes Reiseland. In dieser Gegend können wir uns aber endlich auch mal wieder sportlich betätigen und entscheiden uns für eine Radtour durch die Weinberge, bevor es weiter nach Adelaid geht.

schöne Allee

Weizenfelder

die Weingegend Clare Valley

auf Fahrradtour

Adelaide gefällt mir mit seinen aus der englische Kolonialzeit errichteten Gebäuden ausgesprochen gut. Hier ist alles sehr übersichtlich und relaxt und doch gibt es ein gewisses Großstadtflair. Wir machen Bekanntschaft mit einem netten Tief, dass kalten Wind und nur 14 Grad mitbringt. Wir erkunden die Stadt und haben alles an, was wir mit haben. Unsere dicken Sachen hatten wir von Johannesburg nach Hause geschickt, da wir uns sicher waren, diese nicht mehr zu benötigen, so kann man sich irren

es ist kalt in Adelaide

alte Kirche

 die Universität

der Botanische Garten

Unser Campingplatz liegt direkt am Fluss und sehr zentral, so dass es ohne Reservierung schwer ist überhaupt einen Platz zu bekommen. Das schärfste ist der Campingwart, der den Platz wie beim Militär führt. Peter wird genau eingewiesen und er ist erst zufrieden, als das Auto auf dem Milimeter so steht, wie er es will. Ich muss mir ein Lachen verkneifen und Peter bitten nichts zu sagen, nicht dass der Typ uns wieder vom Platz schmeisst. Als wir am nächsten Tag mit dem Camper einparken kommt er wieder kontrollieren. Nur meine Eltern sind am Auto und er fordert meinen Vater auf, dass Auto um einen Fuß zu versetzen. Der Nimmt seinen Schuh, stellt ihn hinters Auto und setzt um die Schuhlänge zurück. Jetzt ist der Platzwart zufrieden und wir kommen uns vor, wie in einem schlechten Film. Eigentlich sind die Australier unkompliziert und relaxt aber es gibt offenbar auch immer die berühmten Ausnahmen. Hier stehen jedenfalls alle stramm, wenn der Platzwart kommt.

Leider geht es meinem Vater nicht besonders gut. Er hat seit mehreren Tagen ein starkes Nervenreißen, dass sich über die linke Kopf- und Gesichtshälfte zieht und so schlimm ist, dass wir schließlich zur ersten Hilfe ins Krankenhaus müssen, da kein Medikament hilft. Hier ist man sehr bemüht und nach 8 Stunden warten und untersuchen gehen wir mit neuen Medikamenten los. Leider scheinen dies die Falschen zu sein. Es geht ihm jedenfalls noch schlechter, so dass wir nach ein paar Tagen wieder zur ersten Hilfe müssen. Wieder verbringen wir den Tag im Krankenhaus. Diesmal ist ein anderer Arzt da und wir verlassen das Krankenhaus mit neuen Medikamenten. Diesmal zum Glück die Richtigen. Schon am nächsten Tag befindet er sich auf dem Weg der Besserung und wir sind alle glücklich.

Nicht so glücklich sind wir über die Tatsache, dass Peter uns verlassen wird. Inzwischen ist Jörg mit unserem Segelboot in Brisbane/Manly eingetroffen und fängt an es für den Verkauf vorzubereiten. Wieder ist es viel mehr Arbeit als bereits befürchtet und Peter beschließt zum Boot zu fliegen, um zu helfen. Wir sind natürlich traurig unseren vierten Mann zu verlieren und nehmen schweren Herzens Abschied. Er fliegt nach Brisbane, bricht aber erstmal zu einer Wanderung auf, bevor es ans Arbeiten gehen soll. Wir verlieren nun auch gleichzeitig unseren Koch, der nochmal ein leckeres Abschiedessen zaubert,

wir verlieren unseren Koch

Petis Abschiedsabend

und weiter geht das Afrika-Abenteuer…

November 30, 2010

Wir sind schon ganz gespannt, heute geht es nach Zimbabwe, zu den Viktoria Falls. An der Grenze lässt man sich unsere Einreise mit dem Auto ordentlich bezahlen. Die Fälle erstrecken sich über eine Breite von 1,7 km, wo das Wasser tosend 107 m in die Tiefe stürzt. Obwohl der Wasserstand eher niedrig ist, ein unvergeßliches Naturerlebnis. Nach dem Besuch brauchen wir auch nicht mehr duschen, dies hat die aufwirbelnden Gischt für uns erledigt.

die Victoriafälle (1)Viktoriafälle (2)Viktoriafälle (3)

Bisher haben wir uns überall sicher gefühlt und die Menschen waren immer nett, hilsbereit und zuvorkommend. Hier in Zimbabwe ist es nicht anders und so reisen wir weiter zum Hwange Nationalpark, wo wir als Höhepunkt einen Nilpferdkampf beobachten können. Am frühen Morgen hat sich ein neues Nilpferd am Wasserloch eingefunden, dass bereits von anderen besetzt ist, so dass der Revierkampf beginnen kann. Solche Bilder bekommt man ansonsten nur im Fernsehen zu sehen und wir wissen, dass wir etwas ganz besonderes beobachten können. Zum Glück wird niemand ernsthaft verletzt und am Ende zieht sich der Neuankömmling zurück.

NilpferdkampfNilpferdkampf (2)

Da wir überwiegend auf Entdeckungstour im Auto sitzen, lassen wir uns die Gelegenheit einer Kanutour auf dem Zambesi nicht entgehen. Als wir an der Einsatzstelle angelangt sind erfahren wir, dass wir auf Krokodile aber vor allem auf Nilpferde aufpassen müssen. Aufgrund ihres sehr territorialen Verhaltens passieren in Afrika die meisten tödlichen Unfälle mit diesen Tieren. Wir haben einen guide vor uns und ein Sicherheitsboot hinter uns und dann geht es auch schon los. Peter paddelt mit meiner Mutter und ich mit meinem Vater. Wir fahren mit einem aufblasbaren Kanu, da es ein paar knackige Stromschnellen zu meistern gilt, die man mit einem normalen Kanu nicht fahren kann Ich bete nur, dass ich mit meinem Vater nicht umkippe. Das Auge der geschulten guides sieht die Nilpferde immer rechtzeitig, um uns zu signalisieren, auf welcher Seite des Flusses wir paddeln sollen. Ein paarmal kommen wir Nilpferden ziemlich nahe und es ist erstaunlich, wie schnell wir dann paddeln können. Zum Glück hatten wir vorher keine Ahnung, dass wir so viele Hippos sehen werden, ansonsten hätten wir es uns vielleicht nochmal anders überlegt. Es war aber ein tolles sportliches Naturerlebnis, dass wir nicht vergessen werden und niemand ist gekentert.

Die Schlauchbootgang

Bei meinen Eltern geht es sportlich mit einem Elefantenritt weiter. Sie sind ganz begeistert, kommen aber nach der Stunde Ausritt kaum noch vom Elefanten runter und haben am nächsten Tag ordentlichen Muskelkater.

die Eltern beim Elefantenritt

Die nächste Station ist der Caprivi Zipfel in Namibia, wo wir wieder ein tolles Erlebnis mit einem Nilpferd haben. Wir finden einen wunderschönen Campingplatz direkt am Fluß und beschließen mal ein paar Tage auszuspannen. Meine Eltern mieten sich zur Abwechslung ein nettes Chalet und wir sind einfach mal faul. Es ist schon dunkel, als ich auf der Terrasse sitze und es plötzlich raschelt und schnauft. Nach ein paar Minuten stampft ein kleines Nilpferd die Uferböschung hinauf. Es ist “Stompi”, ein Findelkind, das keine Eltern mehr hat und sich anscheinend zu Menschen hingezogen fühlt. Er kommt oft abends vorbei, frießt das saftige Gras und schläft neben den Zelten. Wenn diese nicht verschlossen sind, ist es auch schon vorgekommen, dass es sich Stompi im Zelt gemütlich gemacht hat. Er läuft direkt an meinem Stuhl vorbei und es ist schon ein bißchen unheimlich, schließlich ist es ein wildes Tier. Wir sind begeistert von dieser Begegnung, die schon sehr ungewöhnlich ist. Als ich später zum Waschhaus laufe stoße ich fast mit Stompi zusammen, der auf dem Rasen genüßlich grast. Er verläßt uns erst wieder im Morgengrauen und geht zurück in den Fluß.

Stompi kommt uns besuchen

Die ärztliche Versorgung ist hier super. Dies erfahren wir am nächsten Tag, als meine Mutter auf etwas hartem in ihrem Burger beißt und auf einmal ihr Goldinlet im Mund hat. Ach du Schreck, der nächste Zahnarzt ist zum Glück gleich um die Ecke und 20 Minuten später hat sie eine neue weiße permanente Füllung für 35 Euro im Mund. Auch Peter macht Bekanntschaft mit den Ärzten, als er sich einen sehr unangenehmen Pilz an den Füßen einfängt. Alles ist offen und entzündet und er kann kaum noch laufen. Er bekommt die richtigen Medikamente verschrieben und nach ein paar Tagen sehen die Füße wieder okay aus. Man darf hier also auch ruhig mal krank werden, wovon wir aber bis auf diese zwei Vorfälle verschont bleiben.

der Medizinmann

Wieder zurück in Botswana fahren wir zu den Tsodilo Hills, die die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt hat. Die über 3.000 Jahre alten Felsmalereien sind auch wirklich noch toll erhalten.

Tsodilo Hillsdie Felsmalereien

Noch am späten Nachmittag haben wir über 45 Grad im Schatten, so dass jede Bewegung schwächt. In der Hoffnung, dass die Temperatur morgen früh etwas erträglicher ist, verschieben wir unsere Besichtigungstour auf 7 Uhr. Wir sind die einzigen auf dem Campingplatz. In dieser Hitze hat es wohl sonst niemand ausgehalten. Die Felsen, die tagsüber die Hitze speichern, scheinen diese in der Nacht abzugeben. Es kühlt sich jedenfalls nicht merklich ab, so dass an einen entspannten Schlaf nicht zu denken ist. Zum Glück ist dies der einzige Platz, wo meine Eltern aufgrund der Wärme an ihre Grenzen des Erträglichen stoßen. Ansonsten ist es tagsüber zwar warm, kühlt sich abends aber immer auf eine angenehme Schlaftemperatur ab. Womit wir überhaupt nicht gerechnet haben, aber sehr positiv überrascht sind, es gibt fast keine Moskitos oder anderes Insekten. Wie das geht ist mir ein Rätsel, da wir überwiegend in Wassernähe campen. Da haben wir im Sommer in Berlin viel mehr Mücken.

alle haben Durst bei der Hitze

Wir können Botswana natürlich nicht verlassen, ohne die Kalahari Wüste gesehen zu haben. Ich bin total in ihren Bann gezogen und kann mich an den weiten Ebenen und den wunderschönen Sonnenuntergängen gar nicht satt sehen.

Sonnenuntergang in der Kalahari

Die Wüste strahlt etwas unbeschreibliches aus, man muss es erlebt haben, um es zu verstehen. Ich denke, dass dies der Platz für alle gestreßten ist. Wer hier nicht zur Ruhe kommt, der kommt es nirgendwo. Auch hier haben wir wieder Glück und uns läuft ein stattlicher Löwe direkt vors Auto. Abends hören wir das Löwengebrüll deutlich bis zum Camp, so dass auch ich mich gleich ins Dachzelt zurückziehe, als unser Lagerfeuer aus ist. Normalerweise genieße ich es immer noch im Dunkeln den tollen Sternenhimmel zu bewundern, hierauf verzichte ich heute aber gern. Im Morgengrauen hören meine Eltern den Todeskampf eines Tieres, dass vom Löwen gerissen wird, es kann nicht weit weg gewesen sein.

KalaharilöweOryxantilopen am WasserlochZebrasunser Camp in der Kalahari

Bisher haben wir noch keine Nashörner gesehen. Diese wurden hier aufgrund ihres begehrten Horns fast völlig ausgerottet. Zum Glück hat man gerade noch rechtzeitig reagiert und ein Schutzgebiet errichtet, in dem wir voll auf unsere Kosten kommen. Bereits am ersten Wasserloch sehen wir drei Nashörner, die wir eine ganze Weile beobachten. Als diese dann von dannen ziehen, verlassen auch wir langsam den Platz und treffen sie direkt am Weg wieder. Es ist ein Päarchen mit Jungem. Peter hält nochmal an, was dem Männchen dann wohl doch zu nahe ist, so dass es zum Angriff ansetzt. Er dreht sich um, senkt den Kopf und läuft auf unser Auto zu. Ich schreie zu Peter, dass er Gas geben soll, aber es dauert ein paar Sekunden, bis sich unser Toyota in Bewegung setzt und das Nashorn kommt bedenklich nahe. Wir schaffen es aber rechtzeitig wegzukommen und müssen erstmal durchatmen, da es ziemlich knapp war

Nashornfamilie

Als wir zurück zu unserem Camp wollen stehen wieder 2 Nashörner direkt am Weg. Wir halten im gebührenden Abstand und die zwei beschließen, dass es sich auf dem Weg doch sehr gut laufen läßt, so dass sie sich direkt in unsere Richtung in Bewegung setzen. Wir setzen immer wieder ein Stück zurück, um ihnen Raum zu geben. Dies geht für ein paar Minuten so und dann kommen noch andere Autos hinter uns,. Diese erfassen die Situation zum Glück sofort und setzen auch zurück. Es ist natürlich eine sehr spezielle und intensive Tierbeobachtung, wir sind dann aber doch froh, als sich die Zwei entscheiden nach rechts abzudrehen und wir vorbei fahren können. Die Tiere sind hier so an Autos gewöhnt, dass sie diese nicht als Fremdkörper wahrnehmen und keine Angst zeigen.

Nashörner

Nach diesem tollen Erlebnis verlassen wir die Nationalparks. Von allen Tieren haben wir mit Abstand am meisten Elefanten gesehen, wir werden aber alle Tiere vermissen.

an der Elefantentränke

Wir verbringen noch ein paar Tage in der Hauptstadt Gaborone, bevor wir Botswana verlassen und über Johannesburg nach Australien fliegen. Wir mieten uns in einem Apartment genau im Zentrum mit Garten ein und genießen das “Großstadtleben”. Peter und ich gehen mal wieder ins Kino und er findet auch einen Schachclub, wo er endlich mal wieder spielen kann. Bei unserem Besuch des Nationalmonuments lernen wir, dass Botswana erst seit 1966 unabhängig ist und von Null starten musste. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur 3 km geteerte Straße und nur 10 Leute hatten studiert. Eine eigene Währung und ein eigenes Bankensystem haben sie erst seit 1970. Wenn man sich das Land mit diesem Hintergrundwissen ansieht, dann kann man nur den Hut ziehen, wie gut hier alles funktioniert. Ich bin begeistert von Botswana, den netten Menschen und vor allem von unseren Tierbeobachtungen, die meine Vorstellungen weit übertroffen haben.

ein Karo-Kaffee zum Aufwachenalles geht einmal zu Ende

Abenteuer in Botswana…

November 3, 2010

Besser hätte es nicht klappen können, wir treffen meine Eltern vor der Paßkontrolle in Johannesburg. Unsere Flieger müssen fast zeitgleich gelandet sein, da sie nur kurz hinter uns in der Abfertigungsschlange stehen. Die Wiedersehensfreude ist groß und das gemeinsame Abenteuer Afrika kann beginnen. Wir übernehmen unseren 4 x 4 Toyota Hilux mit 2 Dachzelten, Baujahr 2010 und starten in Richtung Botswana.

unser Auto mit Dachzelten

Die Ausschilderung ist eine Katastrophe, wenn man etwas abseits der Hauptwege fährt und dann wurden Orte anscheinend auch noch umbenannt, so dass das Auffinden unseres ersten Nature Reserves, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, viel mit Zufall zu tun hat. Hätten wir noch länger gesucht, hätten wir ein echtes Problem gehabt, da die Tore in die Parks bei Dunkelheit geschlossen sind. Botswana ist rauher und wilder als Südafrika und Namibia, die Camps in den Nationalparks sind nicht umzäunt, so dass man nie weiß, welches Tier sich bei Einbruch der Dunkelheit noch heranschleicht, um nachzusehen, ob Fleischreste im BBQ übrig geblieben sind. Als wir abends zum ersten Mal in unseren 1,50 m x 2,00 m großen Dachzelten liegen fühlen wir uns aber sicher und wohl und ich beobachte noch eine Weile die Gluht unseres Lagerfeuers und freue mich auf die hoffentlich vielen Tierbeobachtungen wegen denen wir hier sind.

Sonnenuntergang im Busch

Wir arbeiten uns von Osten nach Norden vor und beobachten im Nata Bird Sanctuary begeistert tausende von Flamingos, die hier überwintern.

wir halten Ausschau nach......Flamingos

Am nächsten Tag sind wir schon eine ganze Weile unterwegs, als ich anfange zu stutzen. Die letzten 200 km kam kein Dorf mehr, nur vertrockneter Busch zieht an uns vorüber. Ich starre auf die Karte und ahne, an welcher Kreuzung wir den falschen Abzweig genommen haben, da die Ausschilderung mal wieder zu wünschen übrig ließ. Wir sind so richtig falsch, so dass wir die 3 Stunden wieder zurück müssen. Es ist klar, dass wir dies nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit schaffen. Schon am Tage muss Peter beim Fahren höllisch aufpassen, dass er keine Kuh, keine Ziege, kein Pferd oder keinen Esel überfährt. Die Tiere laufen ohne aufzusehen, völlig unmotiviert über die Straße oder bleiben mitten auf ihr stehen. Wir schaffen es aber ohne Unfall den ersten Ort zu erreichen und bekommen in der Lodge noch das Familienzimmer. Ich muss über das Bettarrangement schmunzeln, als Peter und ich im Kinderzimmer ins Etagenbett klettern.

mal wieder eine Kuh auf der Straße

Dann erreichen wir das berühmte Okavango Delta und lassen uns einen Rundflug nicht entgehen. Erst begutachten wir alles aus der Luft, um uns einen Überblick zu verschaffen und dann buche ich mit meinem Vater eine Fahrt mit dem Einbaum.

das Okavangodelta aus der Vogelperspektiveunsere Einbaumtour

Zwei völlig unterschiedliche Wege das Delta zu erleben und keinen sollte man sich entgehen lassen. Die Fortbewegung ist ein bißchen wie in einer Gondel in Venedig. Ein Einheimischer stakst uns mit Hilfe eines langen Stabes durch das Schilf. Alles ist ganz ruhig und wir gleiten durch die Wasserwege dahin. Die Landschaft ist wunderschön und ich habe das Gefühl, ich bin eins mit der Natur. Hunderte von bunter Lybellen begleiten uns und viele Vögel, ein unvergessliches Erlebnis.

Schilfmeer

Seerosen

Anschließend erkunden wir den kleinen Teil des Deltas, der mit dem Auto erreichbar ist. Natürlich sollte man zur Hauptreisezeit rechtzeitig buchen, da die Nachfrage sehr groß und die Anzahl der Campstellen sehr gering ist. Am besten 1 Jahr im Voraus heißt es. Dies ist für Individualtouristen fast unmöglich, da man nie weiß, wo es einem besonders gut gefällt und wie lange man wo bleiben möchte. Zum Ärger aller Reisenden wurden dieses Jahr auch noch die bisher staatlichen Campingplätze privatisiert, so dass die Preise von 4 Euro pro Person auf 30-50 US$ pro Person gestiegen sind, eine absolute Frechheit. Zum Glück hatte ich noch vor der Privatisierung gebucht. Viele betuchte Touristen erleben das Delta ganz anders, sie lassen sich in eine der vielen Lodges einfliegen und dürfen dann mit Vollpension und Bootsausflügen pro Person (!) zwischen 500 bis 1.000 Euro zahlen. Ich kann über diese Preise nur staunen und über die Tatsache, dass es anscheinend so viele Leute gibt, die bereit sind soviel Geld zu zahlen, da die Lodges gut gebucht sind.

ein BaobabbaumKubu Island, eine Insel mitten in der Salzpfanne

Kurz bevor wir aufbrechen treffe ich ein Pärchen aus Deutschland, dass gerade wieder aus dem Delta zurück ist. Sie sind bei einer Flussüberquerung stecken geblieben und kamen weder vor noch zurück. Das Wasser stand bis zum Lenkrad und sie waren verzweifelt. Da es schon dunkel wurde, als endlich Hilfe kam, wurden sie zu einer nahegelegenen Lodge gebracht und das Auto wurde erst am nächsten Tag aus dem Fluss gezogen. Die beiden hatten natürlich kein Auge zu gemacht und billig war die ganze Angelegenheit auch nicht gewesen. Ihr Auto ist aber, zu ihrer eigenen Verwunderung, wieder gestartet. Wir sind jedenfalls vorgewarnt und werden nicht dieselbe Strecke fahren.

bei jeder Flussüberquerung muss man gut aufpassen

Voller Erwartung passieren wir am nächsten Tag den Eingang des Moremi Nationalparks und werden gleich von Giraffen begrüßt, die mit ihren langen Zungen in aller Ruhe geschickt kleine Blätter von den Ästen zupfen, es macht richtig Spaß zuzusehen.

Giraffenfütterung

Am Nachmittag mieten wir uns ein Boot und machen zum Sonnenuntergang eine Spritztour durchs Delta. Es ist atemberaubend schön, alles wirkt so friedlich und im Einklang. Die Störche und Marabus sind die Boote wohl schon gewöhnt, da sie entspannt auf ihren Schlafplätzen sitzen bleiben, während wir vorbeigleiten.

das Okavangodeltaein Storchenpärchenein MarabupärchenSonnenuntergang im Delta

Abends wasche ich mit meiner Stirnlampe ab und habe das Gefühl, dass da etwas ist. Ich drehe mich langsam um und traue meinen Augen kaum, da steht hinter mir eine große Hyäne, die sofort abhaut, als ich sie anleuchte. Ich stehe wie erstarrt da und schwenke meine Lampe in alle Richtungen. Dass ich alleine weiter abwasche ist jetzt natürlich ausgeschlossen und ich rufe nach Peter, der mit unserer Axt bewaffnet zu meinem Schutz eilt. Ab jetzt passe ich noch mehr auf, wenn es im Camp dunkel wird. Trotz des Schrecks sind es gerade solche Begegnungen, die Botswana ausmachen.

ein Tuka

Nach 3 Tagen geht es weiter in Richtung Chobe Nationalpark, nach Savuti. Die Strecke ist die schlimmste, die wir bisher gefahren sind. Viele Tiefsandstellen, wo Peter sehr aufpassen muss, dass unser Toyota nicht stecken bleibt, viele Bodenwellen, die uns wie in einem Shaker durchschütteln und keine Ausweichmöglichkeiten für Gegenverkehr. Wir sehen aber unsere ersten Löwen, die direkt am Weg faul unter einen Baum dösen, typisch für den sog. König der Tiere.

der König der Tiere

Savuti ist berühmt für Elefantenbegegnungen und auch wir haben Glück. Als wir von unserer Pirschfahrt zurück kommen sehen wir zwei Elefanten direkt bei unserem Camp am Fluss. Die zwei fressen ganz friedlich und sind nur 12 Meter von uns entfernt. Die Sonne geht hinter ihnen unter und ich sitze mit einem Glas Wein in der Hand einfach nur da und würde am liebsten die Zeit anhalten.

das Savuti Camp Elefanten am Camp bei Sonnenuntergang

Am nächsten Tag brechen wir nachmittags nochmal zu einer Pirschfahrt auf. Wir finden eine Strecke, die direkt zum Fluss führt und wir stellen uns in einer guten Beobachtungsposition hin und warten auf Tiere, keins kommt. Als Peter das Auto nochmal umsetzen will merken wir, dass ein Reifen im tiefen Sand durchdrehen. Jetzt hoffen wir, dass kein Tier kommt, da wir aussteigen müssen, um nachzusehen. Mutti wird beauftragt mit dem Fernglas wache zu halten und uns zu warnen, falls ein Löwe kommt. Wir legen die für solche Fälle von der Autovermietung mitgegebene Matte unter den Reifen, was beim nächsten Versuch aber nicht viel hilft. Unser Toyota hat sich trotz seines 4 x 4 Antriebs noch ein Stück tiefer eingegraben und Peter fängt in der sengenden Hitze an die Reifen mit unserer Schaufel freizubuddeln. Ich suche ein paar Stöcker, um sie unter die anderen Reifen zu legen und niemand kommt an dem verlassenen Ort vorbei, um uns behilflich zu sein. Zum Glück kommen auch keine Tiere. Ein neuer Versuch und wir sitzen noch tiefer im Sand fest. Der hintere Unterboden liegt schon auf, so dass wir noch einen Versuch haben, uns nach vorne frei zu fahren. Peter buddelt wie ein Weltmeister und der Zuckersand läuft immer wieder nach. Ich buddele mit meinen Händen und bin total eingesandet, als wir den letzten Versuch starten. Es ist schon 17 Uhr und in einer Stunde ist es dunkel. Jetzt bloß nicht darüber nachdenken, was wir machen, wenn es nicht klappt, es muss einfach klappen. Wir schieben und schnaufen, Peter gibt Gas und jawohl, der Wagen bewegt sich nach vorne und noch ein Stück und noch ein Stück, hurrah, wir sind frei. Erleichtert und sandig sitze ich im Auto, tausend Steine fallen mir vom Herzen. In die entlegene Ecke kommt wahrscheinlich nur alle paar Tage jemand vorbei, wenn überhaupt. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen.

Peter muss schippen

Wir fahren weiter nach Ihaha, zum Chobe River, das Eldorado für Tierbeobachtungen. Hier ist es so, wie man es im Fernsehen immer sieht, Herden von Zebras, Impalas, Kudus, Elefanten und Büffeln. Es gibt Affen, Giraffen, Krokodile, Nilpferde und viele bunte Vögel, wir sind hellauf begeistert, ein absoluter Höhepunkt der Reise.

Ihaha

ein Kudu und Pavianeeine BüffelherdeMr. Crocodile

Wir schlagen unser Camp direkt am Fluss auf, stellen unseren Tisch und die Stühle auf und müssen aufpassen, dass die Paviane und Meerkatzen uns nicht unsere Lebensmittel stibitzen. Wir stehen mit unseren Dachzelten direkt unter einem großen Baum, anscheinend ein bevorzugter Fressplatz der Elefanten bei Nacht, was wir natürlich nicht wissen. Meine Eltern wachen irgendwann von einem brechenden und schmatzenden Geräusch auf. Da stehen direkt am ihrem Zelt Elefanten, die mit ihrem Rüssel Zweige vom Baum abbrechen und in aller Seelenruhe fressen. Meine Eltern liegen wie versteinert da und trauen sich nicht mehr zu bewegen, bloß keine Aufmerksamkeit erwecken. Meine Mutter würde am liebsten auch das Atmen einstellen.. Ein Elefant geht, ein anderer kommt und dieser streift sogar die Zeltwand des Dachzeltes. Dies ist dann auch meinem Vater etwas zuviel Nähe und er überlegt, wie er sich jetzt am besten verhalten soll. Das Ergebnis ist: Einfach still liegen bleiben. Die Elefanten ziehen irgendwann weiter und ich begrüße meine Eltern am nächsten Morgen mit der Frage, ob sie gut geschlafen haben. Da ich Ohrenstöpsel benutze habe ich von dem nächtlichen Besuch nichts mitbekommen und bin ausgeschlafen.

Elefantenherde

wieder mal in Kanada…

September 29, 2010

Es zieht uns wieder in den Yukon/Kanada und wieder ist es eine vollkommen andere Welt, in der wir uns nach über 20 Stunden Flug befinden. Diesmal begleitet uns unsere 14 jährige Nichte, die schon seit Jahren bei den Pfadfindern ist und weiß, auf was sie sich einläßt, als sie sich entscheidet uns zu begleiten. Als erstes steht der Chilkoot Trail auf unserem Programm. Es ist der Weg, den hunderte “Glücksritter” bei Einbruch des Winters 1898 von Alaska in den hohen Norden genommen haben, um dem Lockruf des Goldes im Yukon zu folgen.der Goldrausch von 1898 Bewegt von der Geschichte und voller Erwartung brechen wir auf. Wir sehen unterwegs noch viele Überreste des damaligen Goldrausches. Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen Camps für tausende von Goldsuchern selbst im rauhesten Terrain aus dem Boden gestampft haben und was sie bereit waren zu riskieren und auf sich zu nehmen. Unsere Freunde bringen uns nach Skagway/Alaska, von wo wir starten. Der Weg ist wunderschön und sehr abwechslungsreich. Wir starten im grün bemosten Regenwald mit hohen Bäumen, erreichen am zweiten Tag die Baumgrenze, erklimmen am 3. Tag den Chilkoot Pass und laufen dann durch eine unwirklich erscheinende Mondlandschaft mit vielen Seen wieder in den Wald. ein Stück gehts durch Sumpfgebietein GletscherCanyon City, unsere erste ÜbernachtungsstelleDer anstrengendste Tag ist der Weg über den Pass, dort geht es die berühmten “Golden Stairs” hinauf. Es heißt für einen Kilometer im 45 Grad Winkel an Felsbrocken hinaufklettern. Ich konzentriere mich so sehr, wo ich den nächsten Schritt hinsetze, dass ich das Gewicht meines Rucksacks gar nicht mehr spüre. Ich denke an die vielen Leute, die auf ihrem Weg ins sog. Glück ums Leben gekommen sind. Von Lawinen verschüttet, erfroren oder verhungert, an die primitive Ausrüstung und an die Wetterbedingungen im Winter. Nach vielen Todesfällen haben die kanadischen Grenzposten nur noch Leute über den Pass gelassen, die genügend Proviant für ein Jahr nachweisen konnten, die anderen mussten wieder umkehren. Mir reichen schon meine 12 kg auf dem Rücken. Die Leute damals mussten bis zu 40 mal den Pass erklimmen, bis sie all ihr Gepäck und ihre Lebensmittel am Gipfel hatten. Ich denke auch an die Männer und Frauen, die es geschafft haben an ihr Ziel zu kommen. Was für eine Enttäuschung muss es gewesen sein, als sie nach all den Strapazen feststellen mussten, dass alle Schürfrechte bereits vergeben waren. Da standen sie nun pleite und ausgehungert und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich als billige Arbeitskräfte anzubieten.

die Überreste vom Goldrauschauf den Weg zum Passdie Golden Stairses darf geklettert werdenAm Gipfel sehen wir die kanadische Flagge wehen und wissen, dass wir wieder in Kanada sind. Ich bin erstaunt wieviel Schnee hier noch liegt. Wir rutschen und gleiten über die steil abfallenden Schneefelder und ich bin froh, dass ich meine Wanderstöcke zum Abstützen habe. Sowohl auf der amerikanischen- als auch auf der kanadischen Seite gibt es ausgewiesene Campingstellen mit jeweils einer Gemeinschaftshütte. Hier treffen wir abends immer wieder dieselben Leute, so dass sich am Ende des Trails eine nette Gemeinschaft gebildet hat. Unsere letzte Nacht verbringen wir wieder im Wald, von Bäumen umgeben. 1898 war hier fast alles abgeholzt. Die Menschen brauchten Brennholz und bauten Holzboote, die sie mit Einbruch der Schneeschmelze u.a. über den Yukon bis nach Dawson City bringen sollten. Viele Boote sanken, da das Holz nicht ausgetrocknet war oder zerschmetterten in einer der vielen Stromschnellen. Auch hiervon sind noch Überreste zu sehen. Als ich an solch einem Canyon vorbei laufe und das tosende Wasser unter mir sehen, bewundere ich den Pioniergeist der Leute damals. Das letzte Stück laufen wir mit noch drei anderen Wanderern zusammen, die auch nach Whitehorse wollen. Wir haben ihnen angeboten, sie auf der Ladefläche unseres Trucks mitzunehmen, der am Ende des Trails auf uns wartet. Es geht immer an den Eisenbahnschienen entlang. Peter ist wie immer ein Stück voraus. Plötzlich bleibt er stehen und ich sehe das Bärenspray in seiner Hand. 50 Meter von ihm entfernt kommt ein großer Grizzly von links aus dem Busch, er bleibt mitten auf den Schienen stehen und sieht uns an. Einige treten den Rückzug etwas zu flott an, so dass Peter ruft “stehen bleiben!” – jetzt heisst es erstmal Ruhe bewahren auch wenns schwerfällt. Wir gucken den Bären an und er uns und dann läuft er auf der rechten Seite wieder in den Busch. Erleichtert und fasziniert blicken wir ihm nach und warten noch eine kleine Weile, bis wir weiterlaufen. Ich krame altes Liedgut aus längst vergangenen Tagen hervor und versuche mich laut schmetternd an “wir lagen vor Madagaskar”, damit der Bär auch ja weiß, dass wir hier sind. Zum Glück hat sich der Bär so verhalten, wie es gesunde wilde Bären tun, sie meiden den Menschen. Kurz nach dieser Begegnung sind wir am Ende des Tracks. Es hat uns allen super gefallen und Denise hat sich als jüngste Teilnehmerin auf der Strecke tapfer geschlagen. Auch wenn es stellenweise anstrengend war, so haben uns die überwältigenden Natureindrücke mehr als entschädigt. Vollbeladen düsen wir zurück zu unseren Freunden nach Whitehorse.

der Blick vom GipfelHappy Camp, unsere dritte ÜbernachtungsstelleBare Loon LakeAls nächstes steht unsere Kanutour auf dem Programm. Wieder gibt es einen Großeinkauf und im Keller unserer Freunde sieht es aus, als ob der Blitz eingeschlagen hat, als wir all unsere Sachen sortieren. Unsere Freunde setzen uns drei, unser Kanu, ein geborgtes Kajak und ihren Hund Gucci am Quiet Lake ab, dem Einsatzpunkt zum Big Salmon River. Big Salmon Lakeich im Kajakdie anderen im KanuGucci entpuppt sich als der perfekte “Paddelhund”, der die nächsten 2 Wochen von uns auch angemessen verwöhnt wird. Anfangs geht es über 3 Seen, bevor der eigentliche Fluss beginnt und am Big Salmon Lake machen wir erstmal einen Tag Pause, damit Peter fischen kann, denn es wimmelt nur so von Forellen, die abends am Lagerfeuer gegrillt werden. fast täglich gibt es FischDenise und ich schlafen noch sanft, als er sich das Kanu zum Angeln schnappt und auf den See hinauspaddelt. Da das Kanu unbeladen sehr wackelig ist, läßt er Gucci am Camp, die ihm sehnsüchtig hinterher schaut. Nach einer ganzen Weile hört er ein schnaufendes Geräusch und dreht sich um – er traut seinen Augen kaum, denn Gucci schwimmt mitten im eiskalten See auf sein Kanu zu. Sofort paddelt er zurück und trifft sie auf halber Strecke. Es ist aber unmöglich den großen Hund ins Kanu zu hieven, ohne dabei umzukippen und so muss Gucci die ganze Strecke auch wieder zurück, was ihr aber nichts auszumachen scheint. Am Ufer angekommen schüttelt sie sich nur kurz und legt sich dann zufrieden in die Sonne. Sie ist gute 500 Meter in dem 5 – 6 Grad kaltem Wasser geschwommen, was für ein verrückter Hund. wir müssen eine Verblockung umtragengeschafft, wir können wieder beladenwir campen auf einer Sandbankder Big Salmon Riverunser CampWir erreichen am nächsten Tag den Fluss, der wenig Wasser führt, so dass wir etwas mehr paddeln müssen. Ab und an gibt es aber immer wieder eine kleine Stromschnelle, so dass wir gut voran kommen. Wir paddeln 2 Tage und legen dann einen Pausentag ein, zum Faulenzen und Genießen. Wir beobachten Seeadler und Biber, sehen diesmal aber weder Elche noch Bären. Denise kann es gar nicht fassen, dass sie im Bikini paddeln kann, da sie dachte, dass es in Kanada eher kalt ist. Wir haben aber einen richtig guten Sommer erwischt, in dem es auch kaum Mücken gibt, einfach perfekte Bedingungen. Auf dem Big Salmon sehen wir die ganzen 2 Wochen keine Menschenseele, dies ändert sich erst, als wir in den Yukon einmünden und wie fast immer wird das Wetter schlechter – es regnet leicht. Wir lassen uns dennoch die gute Laune nicht vermiesen und paddeln locker die letzten 2 Tage auf diesem historisch so interessanten Strom bis Carmacks. Dort erwartet uns bereits unser kleiner Truck den unsere Freunde in der Zwischenzeit dorthin gebracht haben.

in Carmacks wartet unser Truck auf unsEs bleibt gerade noch Zeit, um unseren Körpern in den heißen Quellen eine Entspannung zu gönnen und ins Kino zu gehen und dann heißt es auch schon Abschied nehmen, Denise fliegt als erste nach Hause. Da ihr Flugzeug in Fairbanks/USA zwischenlandet sind die Sicherheitsbestimmungen etwas übertrieben. Egal, wir sind wie vorgeschrieben 3 Stunden vorher am Flughafen und checken das Gepäck ein. Wie geplant fahren wir anschließend nochmal nach downtown, um Eisessen zu gehen. Eine Stunde vor dem Abflug setzen wir uns wieder in unseren Truck und wollen zurück zum Flughafen, doch unser Auto springt nicht an. Das gibt es doch gar nicht – wir hatten noch nie Probleme und ausgerechnet jetzt. Murphy’s Law trifft uns offenbar mit aller Macht denn der Starter dreht durch und wir können auf die Schnelle nichts reparieren. Denise wird schon etwas unruhig und ich blicke mich um. Da sitzt eine junge Frau im Auto, nicht weit von uns entfernt. Ich renne hin, erkläre ihr kurz die Situation und frage, ob sie uns kurz zum Flughafen fahren kann. Dieser ist 10 Minuten von downtown entfernt. Sie hat leider eine Verabredung und ich renne zum nächsten Hotel, um eine Taxe zu organisieren. Da ruft Peter, dass es sich die junge Frau anders überlegt hat und ich renne zurück. Denise und ich steigen zu ihr ins Auto und wir sind noch rechtzeitig am Flughafen damit sie in aller Ruhe durch die Sicherheitskontrolle gehen kann. Die Frau bringt mich zurück zum Truck, wo Peter wartet und ich streite mich fast mit ihr, da sie absolut kein Geld als Dankeschön annehmen will. Unser Auto wird zur nächsten Werkstatt geschleppt und der Bekannte unserer Freunde baut einen anderen gebrauchten Starter ein, so dass wir wieder mobil sind. Bevor wir den Yukon verlassen, gehen wir mit unseren Freunden nochmal auf Campingtour und dann geht auch für uns die Zeit in Kanada vorbei und wie immer fällt uns der Abschied schwer. Wir sind aber auch gespannt, da jetzt Botswana auf uns wartet, wo wir noch nie waren…auf Campingtour mit unseren Freunden


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