wieder mal in Kanada…

Es zieht uns wieder in den Yukon/Kanada und wieder ist es eine vollkommen andere Welt, in der wir uns nach über 20 Stunden Flug befinden. Diesmal begleitet uns unsere 14 jährige Nichte, die schon seit Jahren bei den Pfadfindern ist und weiß, auf was sie sich einläßt, als sie sich entscheidet uns zu begleiten. Als erstes steht der Chilkoot Trail auf unserem Programm. Es ist der Weg, den hunderte “Glücksritter” bei Einbruch des Winters 1898 von Alaska in den hohen Norden genommen haben, um dem Lockruf des Goldes im Yukon zu folgen.der Goldrausch von 1898 Bewegt von der Geschichte und voller Erwartung brechen wir auf. Wir sehen unterwegs noch viele Überreste des damaligen Goldrausches. Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen Camps für tausende von Goldsuchern selbst im rauhesten Terrain aus dem Boden gestampft haben und was sie bereit waren zu riskieren und auf sich zu nehmen. Unsere Freunde bringen uns nach Skagway/Alaska, von wo wir starten. Der Weg ist wunderschön und sehr abwechslungsreich. Wir starten im grün bemosten Regenwald mit hohen Bäumen, erreichen am zweiten Tag die Baumgrenze, erklimmen am 3. Tag den Chilkoot Pass und laufen dann durch eine unwirklich erscheinende Mondlandschaft mit vielen Seen wieder in den Wald. ein Stück gehts durch Sumpfgebietein GletscherCanyon City, unsere erste ÜbernachtungsstelleDer anstrengendste Tag ist der Weg über den Pass, dort geht es die berühmten “Golden Stairs” hinauf. Es heißt für einen Kilometer im 45 Grad Winkel an Felsbrocken hinaufklettern. Ich konzentriere mich so sehr, wo ich den nächsten Schritt hinsetze, dass ich das Gewicht meines Rucksacks gar nicht mehr spüre. Ich denke an die vielen Leute, die auf ihrem Weg ins sog. Glück ums Leben gekommen sind. Von Lawinen verschüttet, erfroren oder verhungert, an die primitive Ausrüstung und an die Wetterbedingungen im Winter. Nach vielen Todesfällen haben die kanadischen Grenzposten nur noch Leute über den Pass gelassen, die genügend Proviant für ein Jahr nachweisen konnten, die anderen mussten wieder umkehren. Mir reichen schon meine 12 kg auf dem Rücken. Die Leute damals mussten bis zu 40 mal den Pass erklimmen, bis sie all ihr Gepäck und ihre Lebensmittel am Gipfel hatten. Ich denke auch an die Männer und Frauen, die es geschafft haben an ihr Ziel zu kommen. Was für eine Enttäuschung muss es gewesen sein, als sie nach all den Strapazen feststellen mussten, dass alle Schürfrechte bereits vergeben waren. Da standen sie nun pleite und ausgehungert und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich als billige Arbeitskräfte anzubieten.

die Überreste vom Goldrauschauf den Weg zum Passdie Golden Stairses darf geklettert werdenAm Gipfel sehen wir die kanadische Flagge wehen und wissen, dass wir wieder in Kanada sind. Ich bin erstaunt wieviel Schnee hier noch liegt. Wir rutschen und gleiten über die steil abfallenden Schneefelder und ich bin froh, dass ich meine Wanderstöcke zum Abstützen habe. Sowohl auf der amerikanischen- als auch auf der kanadischen Seite gibt es ausgewiesene Campingstellen mit jeweils einer Gemeinschaftshütte. Hier treffen wir abends immer wieder dieselben Leute, so dass sich am Ende des Trails eine nette Gemeinschaft gebildet hat. Unsere letzte Nacht verbringen wir wieder im Wald, von Bäumen umgeben. 1898 war hier fast alles abgeholzt. Die Menschen brauchten Brennholz und bauten Holzboote, die sie mit Einbruch der Schneeschmelze u.a. über den Yukon bis nach Dawson City bringen sollten. Viele Boote sanken, da das Holz nicht ausgetrocknet war oder zerschmetterten in einer der vielen Stromschnellen. Auch hiervon sind noch Überreste zu sehen. Als ich an solch einem Canyon vorbei laufe und das tosende Wasser unter mir sehen, bewundere ich den Pioniergeist der Leute damals. Das letzte Stück laufen wir mit noch drei anderen Wanderern zusammen, die auch nach Whitehorse wollen. Wir haben ihnen angeboten, sie auf der Ladefläche unseres Trucks mitzunehmen, der am Ende des Trails auf uns wartet. Es geht immer an den Eisenbahnschienen entlang. Peter ist wie immer ein Stück voraus. Plötzlich bleibt er stehen und ich sehe das Bärenspray in seiner Hand. 50 Meter von ihm entfernt kommt ein großer Grizzly von links aus dem Busch, er bleibt mitten auf den Schienen stehen und sieht uns an. Einige treten den Rückzug etwas zu flott an, so dass Peter ruft “stehen bleiben!” – jetzt heisst es erstmal Ruhe bewahren auch wenns schwerfällt. Wir gucken den Bären an und er uns und dann läuft er auf der rechten Seite wieder in den Busch. Erleichtert und fasziniert blicken wir ihm nach und warten noch eine kleine Weile, bis wir weiterlaufen. Ich krame altes Liedgut aus längst vergangenen Tagen hervor und versuche mich laut schmetternd an “wir lagen vor Madagaskar”, damit der Bär auch ja weiß, dass wir hier sind. Zum Glück hat sich der Bär so verhalten, wie es gesunde wilde Bären tun, sie meiden den Menschen. Kurz nach dieser Begegnung sind wir am Ende des Tracks. Es hat uns allen super gefallen und Denise hat sich als jüngste Teilnehmerin auf der Strecke tapfer geschlagen. Auch wenn es stellenweise anstrengend war, so haben uns die überwältigenden Natureindrücke mehr als entschädigt. Vollbeladen düsen wir zurück zu unseren Freunden nach Whitehorse.

der Blick vom GipfelHappy Camp, unsere dritte ÜbernachtungsstelleBare Loon LakeAls nächstes steht unsere Kanutour auf dem Programm. Wieder gibt es einen Großeinkauf und im Keller unserer Freunde sieht es aus, als ob der Blitz eingeschlagen hat, als wir all unsere Sachen sortieren. Unsere Freunde setzen uns drei, unser Kanu, ein geborgtes Kajak und ihren Hund Gucci am Quiet Lake ab, dem Einsatzpunkt zum Big Salmon River. Big Salmon Lakeich im Kajakdie anderen im KanuGucci entpuppt sich als der perfekte “Paddelhund”, der die nächsten 2 Wochen von uns auch angemessen verwöhnt wird. Anfangs geht es über 3 Seen, bevor der eigentliche Fluss beginnt und am Big Salmon Lake machen wir erstmal einen Tag Pause, damit Peter fischen kann, denn es wimmelt nur so von Forellen, die abends am Lagerfeuer gegrillt werden. fast täglich gibt es FischDenise und ich schlafen noch sanft, als er sich das Kanu zum Angeln schnappt und auf den See hinauspaddelt. Da das Kanu unbeladen sehr wackelig ist, läßt er Gucci am Camp, die ihm sehnsüchtig hinterher schaut. Nach einer ganzen Weile hört er ein schnaufendes Geräusch und dreht sich um – er traut seinen Augen kaum, denn Gucci schwimmt mitten im eiskalten See auf sein Kanu zu. Sofort paddelt er zurück und trifft sie auf halber Strecke. Es ist aber unmöglich den großen Hund ins Kanu zu hieven, ohne dabei umzukippen und so muss Gucci die ganze Strecke auch wieder zurück, was ihr aber nichts auszumachen scheint. Am Ufer angekommen schüttelt sie sich nur kurz und legt sich dann zufrieden in die Sonne. Sie ist gute 500 Meter in dem 5 – 6 Grad kaltem Wasser geschwommen, was für ein verrückter Hund. wir müssen eine Verblockung umtragengeschafft, wir können wieder beladenwir campen auf einer Sandbankder Big Salmon Riverunser CampWir erreichen am nächsten Tag den Fluss, der wenig Wasser führt, so dass wir etwas mehr paddeln müssen. Ab und an gibt es aber immer wieder eine kleine Stromschnelle, so dass wir gut voran kommen. Wir paddeln 2 Tage und legen dann einen Pausentag ein, zum Faulenzen und Genießen. Wir beobachten Seeadler und Biber, sehen diesmal aber weder Elche noch Bären. Denise kann es gar nicht fassen, dass sie im Bikini paddeln kann, da sie dachte, dass es in Kanada eher kalt ist. Wir haben aber einen richtig guten Sommer erwischt, in dem es auch kaum Mücken gibt, einfach perfekte Bedingungen. Auf dem Big Salmon sehen wir die ganzen 2 Wochen keine Menschenseele, dies ändert sich erst, als wir in den Yukon einmünden und wie fast immer wird das Wetter schlechter – es regnet leicht. Wir lassen uns dennoch die gute Laune nicht vermiesen und paddeln locker die letzten 2 Tage auf diesem historisch so interessanten Strom bis Carmacks. Dort erwartet uns bereits unser kleiner Truck den unsere Freunde in der Zwischenzeit dorthin gebracht haben.

in Carmacks wartet unser Truck auf unsEs bleibt gerade noch Zeit, um unseren Körpern in den heißen Quellen eine Entspannung zu gönnen und ins Kino zu gehen und dann heißt es auch schon Abschied nehmen, Denise fliegt als erste nach Hause. Da ihr Flugzeug in Fairbanks/USA zwischenlandet sind die Sicherheitsbestimmungen etwas übertrieben. Egal, wir sind wie vorgeschrieben 3 Stunden vorher am Flughafen und checken das Gepäck ein. Wie geplant fahren wir anschließend nochmal nach downtown, um Eisessen zu gehen. Eine Stunde vor dem Abflug setzen wir uns wieder in unseren Truck und wollen zurück zum Flughafen, doch unser Auto springt nicht an. Das gibt es doch gar nicht – wir hatten noch nie Probleme und ausgerechnet jetzt. Murphy’s Law trifft uns offenbar mit aller Macht denn der Starter dreht durch und wir können auf die Schnelle nichts reparieren. Denise wird schon etwas unruhig und ich blicke mich um. Da sitzt eine junge Frau im Auto, nicht weit von uns entfernt. Ich renne hin, erkläre ihr kurz die Situation und frage, ob sie uns kurz zum Flughafen fahren kann. Dieser ist 10 Minuten von downtown entfernt. Sie hat leider eine Verabredung und ich renne zum nächsten Hotel, um eine Taxe zu organisieren. Da ruft Peter, dass es sich die junge Frau anders überlegt hat und ich renne zurück. Denise und ich steigen zu ihr ins Auto und wir sind noch rechtzeitig am Flughafen damit sie in aller Ruhe durch die Sicherheitskontrolle gehen kann. Die Frau bringt mich zurück zum Truck, wo Peter wartet und ich streite mich fast mit ihr, da sie absolut kein Geld als Dankeschön annehmen will. Unser Auto wird zur nächsten Werkstatt geschleppt und der Bekannte unserer Freunde baut einen anderen gebrauchten Starter ein, so dass wir wieder mobil sind. Bevor wir den Yukon verlassen, gehen wir mit unseren Freunden nochmal auf Campingtour und dann geht auch für uns die Zeit in Kanada vorbei und wie immer fällt uns der Abschied schwer. Wir sind aber auch gespannt, da jetzt Botswana auf uns wartet, wo wir noch nie waren…auf Campingtour mit unseren Freunden

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