Wir sind schon ganz gespannt, heute geht es nach Zimbabwe, zu den Viktoria Falls. An der Grenze lässt man sich unsere Einreise mit dem Auto ordentlich bezahlen. Die Fälle erstrecken sich über eine Breite von 1,7 km, wo das Wasser tosend 107 m in die Tiefe stürzt. Obwohl der Wasserstand eher niedrig ist, ein unvergeßliches Naturerlebnis. Nach dem Besuch brauchen wir auch nicht mehr duschen, dies hat die aufwirbelnden Gischt für uns erledigt.
Bisher haben wir uns überall sicher gefühlt und die Menschen waren immer nett, hilsbereit und zuvorkommend. Hier in Zimbabwe ist es nicht anders und so reisen wir weiter zum Hwange Nationalpark, wo wir als Höhepunkt einen Nilpferdkampf beobachten können. Am frühen Morgen hat sich ein neues Nilpferd am Wasserloch eingefunden, dass bereits von anderen besetzt ist, so dass der Revierkampf beginnen kann. Solche Bilder bekommt man ansonsten nur im Fernsehen zu sehen und wir wissen, dass wir etwas ganz besonderes beobachten können. Zum Glück wird niemand ernsthaft verletzt und am Ende zieht sich der Neuankömmling zurück.
Da wir überwiegend auf Entdeckungstour im Auto sitzen, lassen wir uns die Gelegenheit einer Kanutour auf dem Zambesi nicht entgehen. Als wir an der Einsatzstelle angelangt sind erfahren wir, dass wir auf Krokodile aber vor allem auf Nilpferde aufpassen müssen. Aufgrund ihres sehr territorialen Verhaltens passieren in Afrika die meisten tödlichen Unfälle mit diesen Tieren. Wir haben einen guide vor uns und ein Sicherheitsboot hinter uns und dann geht es auch schon los. Peter paddelt mit meiner Mutter und ich mit meinem Vater. Wir fahren mit einem aufblasbaren Kanu, da es ein paar knackige Stromschnellen zu meistern gilt, die man mit einem normalen Kanu nicht fahren kann Ich bete nur, dass ich mit meinem Vater nicht umkippe. Das Auge der geschulten guides sieht die Nilpferde immer rechtzeitig, um uns zu signalisieren, auf welcher Seite des Flusses wir paddeln sollen. Ein paarmal kommen wir Nilpferden ziemlich nahe und es ist erstaunlich, wie schnell wir dann paddeln können. Zum Glück hatten wir vorher keine Ahnung, dass wir so viele Hippos sehen werden, ansonsten hätten wir es uns vielleicht nochmal anders überlegt. Es war aber ein tolles sportliches Naturerlebnis, dass wir nicht vergessen werden und niemand ist gekentert.
Bei meinen Eltern geht es sportlich mit einem Elefantenritt weiter. Sie sind ganz begeistert, kommen aber nach der Stunde Ausritt kaum noch vom Elefanten runter und haben am nächsten Tag ordentlichen Muskelkater.
Die nächste Station ist der Caprivi Zipfel in Namibia, wo wir wieder ein tolles Erlebnis mit einem Nilpferd haben. Wir finden einen wunderschönen Campingplatz direkt am Fluß und beschließen mal ein paar Tage auszuspannen. Meine Eltern mieten sich zur Abwechslung ein nettes Chalet und wir sind einfach mal faul. Es ist schon dunkel, als ich auf der Terrasse sitze und es plötzlich raschelt und schnauft. Nach ein paar Minuten stampft ein kleines Nilpferd die Uferböschung hinauf. Es ist “Stompi”, ein Findelkind, das keine Eltern mehr hat und sich anscheinend zu Menschen hingezogen fühlt. Er kommt oft abends vorbei, frießt das saftige Gras und schläft neben den Zelten. Wenn diese nicht verschlossen sind, ist es auch schon vorgekommen, dass es sich Stompi im Zelt gemütlich gemacht hat. Er läuft direkt an meinem Stuhl vorbei und es ist schon ein bißchen unheimlich, schließlich ist es ein wildes Tier. Wir sind begeistert von dieser Begegnung, die schon sehr ungewöhnlich ist. Als ich später zum Waschhaus laufe stoße ich fast mit Stompi zusammen, der auf dem Rasen genüßlich grast. Er verläßt uns erst wieder im Morgengrauen und geht zurück in den Fluß.
Die ärztliche Versorgung ist hier super. Dies erfahren wir am nächsten Tag, als meine Mutter auf etwas hartem in ihrem Burger beißt und auf einmal ihr Goldinlet im Mund hat. Ach du Schreck, der nächste Zahnarzt ist zum Glück gleich um die Ecke und 20 Minuten später hat sie eine neue weiße permanente Füllung für 35 Euro im Mund. Auch Peter macht Bekanntschaft mit den Ärzten, als er sich einen sehr unangenehmen Pilz an den Füßen einfängt. Alles ist offen und entzündet und er kann kaum noch laufen. Er bekommt die richtigen Medikamente verschrieben und nach ein paar Tagen sehen die Füße wieder okay aus. Man darf hier also auch ruhig mal krank werden, wovon wir aber bis auf diese zwei Vorfälle verschont bleiben.
Wieder zurück in Botswana fahren wir zu den Tsodilo Hills, die die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt hat. Die über 3.000 Jahre alten Felsmalereien sind auch wirklich noch toll erhalten.
Noch am späten Nachmittag haben wir über 45 Grad im Schatten, so dass jede Bewegung schwächt. In der Hoffnung, dass die Temperatur morgen früh etwas erträglicher ist, verschieben wir unsere Besichtigungstour auf 7 Uhr. Wir sind die einzigen auf dem Campingplatz. In dieser Hitze hat es wohl sonst niemand ausgehalten. Die Felsen, die tagsüber die Hitze speichern, scheinen diese in der Nacht abzugeben. Es kühlt sich jedenfalls nicht merklich ab, so dass an einen entspannten Schlaf nicht zu denken ist. Zum Glück ist dies der einzige Platz, wo meine Eltern aufgrund der Wärme an ihre Grenzen des Erträglichen stoßen. Ansonsten ist es tagsüber zwar warm, kühlt sich abends aber immer auf eine angenehme Schlaftemperatur ab. Womit wir überhaupt nicht gerechnet haben, aber sehr positiv überrascht sind, es gibt fast keine Moskitos oder anderes Insekten. Wie das geht ist mir ein Rätsel, da wir überwiegend in Wassernähe campen. Da haben wir im Sommer in Berlin viel mehr Mücken.
Wir können Botswana natürlich nicht verlassen, ohne die Kalahari Wüste gesehen zu haben. Ich bin total in ihren Bann gezogen und kann mich an den weiten Ebenen und den wunderschönen Sonnenuntergängen gar nicht satt sehen.
Die Wüste strahlt etwas unbeschreibliches aus, man muss es erlebt haben, um es zu verstehen. Ich denke, dass dies der Platz für alle gestreßten ist. Wer hier nicht zur Ruhe kommt, der kommt es nirgendwo. Auch hier haben wir wieder Glück und uns läuft ein stattlicher Löwe direkt vors Auto. Abends hören wir das Löwengebrüll deutlich bis zum Camp, so dass auch ich mich gleich ins Dachzelt zurückziehe, als unser Lagerfeuer aus ist. Normalerweise genieße ich es immer noch im Dunkeln den tollen Sternenhimmel zu bewundern, hierauf verzichte ich heute aber gern. Im Morgengrauen hören meine Eltern den Todeskampf eines Tieres, dass vom Löwen gerissen wird, es kann nicht weit weg gewesen sein.
Bisher haben wir noch keine Nashörner gesehen. Diese wurden hier aufgrund ihres begehrten Horns fast völlig ausgerottet. Zum Glück hat man gerade noch rechtzeitig reagiert und ein Schutzgebiet errichtet, in dem wir voll auf unsere Kosten kommen. Bereits am ersten Wasserloch sehen wir drei Nashörner, die wir eine ganze Weile beobachten. Als diese dann von dannen ziehen, verlassen auch wir langsam den Platz und treffen sie direkt am Weg wieder. Es ist ein Päarchen mit Jungem. Peter hält nochmal an, was dem Männchen dann wohl doch zu nahe ist, so dass es zum Angriff ansetzt. Er dreht sich um, senkt den Kopf und läuft auf unser Auto zu. Ich schreie zu Peter, dass er Gas geben soll, aber es dauert ein paar Sekunden, bis sich unser Toyota in Bewegung setzt und das Nashorn kommt bedenklich nahe. Wir schaffen es aber rechtzeitig wegzukommen und müssen erstmal durchatmen, da es ziemlich knapp war
Als wir zurück zu unserem Camp wollen stehen wieder 2 Nashörner direkt am Weg. Wir halten im gebührenden Abstand und die zwei beschließen, dass es sich auf dem Weg doch sehr gut laufen läßt, so dass sie sich direkt in unsere Richtung in Bewegung setzen. Wir setzen immer wieder ein Stück zurück, um ihnen Raum zu geben. Dies geht für ein paar Minuten so und dann kommen noch andere Autos hinter uns,. Diese erfassen die Situation zum Glück sofort und setzen auch zurück. Es ist natürlich eine sehr spezielle und intensive Tierbeobachtung, wir sind dann aber doch froh, als sich die Zwei entscheiden nach rechts abzudrehen und wir vorbei fahren können. Die Tiere sind hier so an Autos gewöhnt, dass sie diese nicht als Fremdkörper wahrnehmen und keine Angst zeigen.
Nach diesem tollen Erlebnis verlassen wir die Nationalparks. Von allen Tieren haben wir mit Abstand am meisten Elefanten gesehen, wir werden aber alle Tiere vermissen.
Wir verbringen noch ein paar Tage in der Hauptstadt Gaborone, bevor wir Botswana verlassen und über Johannesburg nach Australien fliegen. Wir mieten uns in einem Apartment genau im Zentrum mit Garten ein und genießen das “Großstadtleben”. Peter und ich gehen mal wieder ins Kino und er findet auch einen Schachclub, wo er endlich mal wieder spielen kann. Bei unserem Besuch des Nationalmonuments lernen wir, dass Botswana erst seit 1966 unabhängig ist und von Null starten musste. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur 3 km geteerte Straße und nur 10 Leute hatten studiert. Eine eigene Währung und ein eigenes Bankensystem haben sie erst seit 1970. Wenn man sich das Land mit diesem Hintergrundwissen ansieht, dann kann man nur den Hut ziehen, wie gut hier alles funktioniert. Ich bin begeistert von Botswana, den netten Menschen und vor allem von unseren Tierbeobachtungen, die meine Vorstellungen weit übertroffen haben.





















