Der zweite Teil unserer gemeinsamen Reise beginnt in Darwin, ganz im Norden Australiens. Der Start ist traumhaft, da wir uns zur Entspannung ein super Apartment direkt am Meer mieten. Die Terrasse läßt keine Wünsche offen und es gibt jeden Tag ein leckeres BBQ. Das einzige, was uns ziemlich zu schaffen macht, ist das luftfeuchte heiße Klima – wie man hier freiwillig leben kann ist uns ein Rätsel. Da kommt uns das Wellenbad und der geschützte Strand, direkt vor unserer Haustür, gerade recht.
Als wir eine Woche später unseren Maui Camper abholen haben wir eine heftige Auseinandersetzung mit dem Manager Brian Holland. Dieser will uns das Auto mit zwei einseitig abgefahrenen Vorderreifen übergeben, wovon einer garantiert nicht mehr verkehrstauglich ist.
Er will uns doch tatsächlich einreden, dass der Reifen noch okay sei und bleibt auch nach 20 Minuten Diskussion bei seiner Meinung. Immer wieder hält er uns den Mietvertrag unter die Nase, den wir endlich unterschreiben sollen oder wir hätten eben kein Auto. Schließlich bestehen wir darauf, dass Herr Holland im Vertrag unsere Reklamation schriftlich festhält, mit dem Hinweis, dass wir, im Gegensatz zu ihm, den Reifen für verkehrsuntauglich halten. Jetzt ändert sich die gesamte Situation schlagartig. Er ist auf einmal ganz freundlich und lenkt ein. Er versichert uns, dass er nicht wolle, dass unsere Reise mit Ärger beginne, so dass er jetzt dafür sorgen werde, dass beide Vorderreifen sofort gewechselt werden. Ein ungeheuertlicher Vorfall, bestimmt sind nicht alle Kunden so hartnäckig wie wir und der eine oder andere hätte einfach unterschrieben und wäre mit dem kaputten Reifen losgefahren.
Wir kaufen uns noch das unerläßliche Moskitozelt und dann kann unsere Tour beginnen. Im Outback können einem vor allem die Tausende von Fliegen das Leben zu Hölle machen. Sie sind überall und am liebsten fliegen sie in Mund, Augen. Ohren und Nase. Ich kann genau mitfühlen, wenn ich Leute beobachte, die ständig mit ihren Händen vor ihrem Gesicht hin und her wedeln. Mehr als einmal werden wir um unser Zelt beneidet.
Unser erster Stop ist der Litchfield Nationalpark mit seinen vielen Wasserlöchern. Hier läßt es sich bei der Hitze gut aushalten. Unser Lagerfeuer lassen wir uns abends aber trotzdem nicht entgehen, wir halten dann eben einen größeren Abstand zum Feuer. Die Termiten scheinen die Hitze zu lieben, Es gibt hier mit die größten Termitenhügel in Australien.
Im Gegensatz dazu kann sich meine Mutter mit dem Klima hier oben nicht so richtig anfreunden. Auch ich habe meine Probleme. Der Schweiß tropft aus allen Poren und auch nachts kühlt es nicht ab. Im Kakadu Nationalpark scheint es noch wärmer zu sein. Wir sind eben zur falschen Jahreszeit in dieser Gegend. Trotz all dieser Umstände genießen wir die tolle Natur und sind von der Vogelwelt schwer beeindruckt. Ein Höhepunkt ist die Bootstour zum Sonnenaufgang auf dem Yellow River.
Hier kann man auch durch bizarre Felsformationen wandern und Jahrhunderte alte Aboriginalzeichnungen bestaunen, die noch erstaunlich gut erhalten sind. Der Park macht seinen Namen auch alle Ehre. Auf den Campingplatz können wir morgens und abends hunderte von Kakadus bestaunen.
Aufgrund des ungewöhnlich vielen Regens dieses Jahr muss unsere geplante Kanutour in Kathrine Gorge leider ausfallen. Die einzelnen Schluchten sind nicht mehr sicher. Aufgrund des hohen Wasserstandes können die gefährlichen Salzwasserkrokodile in die Schluchten gelangt sein, denen man nicht im Kanu begegnen möchte. Es bleibt wieder nur eine Bootstour, um die wunderschönen Canyons zu bewundern.
Je weiter wir in Richtung Süden kommen, umso angenehmer wird das Klima. Als wir Devils Marbels (die Kugeln des Teufels) erreichen, wird die Wärme trockener und erträglicher. Es ist ein ganz außergewöhnlicher Ort. Mitten im flachen Outback liegen diese großen runden Felsbrocken einfach in der Gegend rum. Man darf hier direkt campen und als wir abends bei Vollmond vor unserem Lagerfeuer sitzen, will ich gar nicht ins Bett. Ich kann verstehen, dass dies für die Aboriginals ein mystischer Ort ist. Die Sterne funkeln am Himmel und die Felsen wirken nachts unheimlich.
In Alice Springs, der “Hauptstadt” des Outbacks erreichen wir wieder die Zivilisation. Wir können unsere Vorräte aufstocken, eine der vielen aboriginal Kunstsammlungen bewundern, essen und ins Kino gehen sowie den Desert Park (Wüstenpark) bewundern. Hier regnet es eigentlich so gut wie nie, nur dieses Jahr ist alles anders. In einer Nacht regnet es so stark, dass unser Zelt den Wassermassen nicht ganz stand hält. Unter unserem Zeltboden hat sich eine Riesenpfütze gebildet, so dass der Boden von innen naß wird und vom Zeltdach tropft es auch durch einige Nähte. Mein Vater ruft aus dem Camper, ob wir ins Auto kommen wollen, da er Angst hat, dass wir “wegschwimmen”. Am nächsten Tag haben sich die ansonsten trockenen Flußbetten in reißende Flüsse verwandelt so, wie man es sonst immer nur im Fernsehen sieht. Das Wetter ist natürlich Gesprächsthema Nummer eins.
Das ansonsten okerfarbende Outback hat sich durch den vielen Regen in ein grünes Outback verwandelt, überall sprießen bunte Wildblumen. In dieser Form sieht man es wohl nur alle fünfzig Jahre und ich wollte meinen Eltern die Wüste zeigen…
Natürlich blüht auch alles rund um den Ayers Rock, eines der Highlights unserer Rundtour. Ich kann nicht erklären warum der Uluru so etwas Besonderes ist, man muss da gewesen sein, um es zu verstehen. Ich dachte früher immer, dass es doch nur ein großer Fels mitten im Nichts ist und dafür so eine weite Anreise. Wenn man da ist, weiß man aber, dass es sich gelohnt hat. Ich habe jedenfalls mit noch niemanden gesprochen, der es bereut hat, den weiten Weg gemacht zu haben. Natürlich stehen auch wir zum Sonnenauf- und -untergang mit vielen anderen Reisenden an den Aussichtspunkten und tausende von Fotos werden geschossen. Das Farbenspiel muss man gesehen haben, dies gehört einfach dazu und ist fun. Meine Eltern laufen tapfer die 10,5 km mit uns um den Ayers Rock herum und erst jetzt sieht man wie zerklüftet er ist. Zum Abschluss gönnen sie sich noch ein unvergessliches Abendessen unterm Sternenhimmel am Uluru, mit Sternendeuter und Didgeridoospieler, genau der richtige Abschluss.
Unser Weg führt uns weiter zur ungewöhnlichen Wüstenstadt Coober Pedy, wo Opale geschürft werden. Es ist schon erstaunlich, wo sich Menschen ansiedeln, wenn es etwas zu schürfen gibt. Coober Pedy heißt übersetzt – weißer Mann im Loch. Da im Sommer Temperaturen um die 50 Grad an der Tagesordnung sind leben die Menschen hier unter der Erde. In den Höhlen herrscht das ganze Jahr über ein angenehmes Klima um die 25 Grad. Aus den primitiven Anfängen sind natürlich schöne und moderne Höhlenwohnungen geworden, wo es so aussieht, wie bei uns zu Hause. Vorteile sind, dass man sich ein oder zwei zusätzliche Zimmer graben kann, wenn die Wohnung zu klein wird und dass es keinen Ärger mit lauten Nachbarn geben kann, da die Wohnungen absolut schalldicht sind. Etwas gewöhnungsbedürftig dürfte die Tatsache sein, dass es stockdunkel ist und man seine Hand vor den Augen nicht sehen kann, wenn das Licht ausgeschaltet ist.
Kurz nach Coober Pedy verlassen wir das Outback und erreichen wieder das Meer. Schon ein ungewöhnlicher Anblick nach so langer Zeit in der Wüstengegend und ich freue mich mal wieder in die Fluten springen zu können.
Hier im Süden, in der Umgebung von Adelaide, entdecken wir ein völlig anderes Australien. Es gibt hohe Bäume, Rasen, Blumen, Weizenfelder, Weinberge und alles ist dichter besiedelt. Wir fühlen uns an Europa erinnert. Hier sind die Benzinpreise auch wieder normal und nicht so überteuert, wie im Outback. Überall gibt es kostenlose Weinproben, so dass auch wir das eine und andere mal einkehren. Ich bin jedoch erstaunt, wie teuer der Wein direkt beim Hersteller ist. Australien ist im Vergleich zu Deutschland sowieso sehr teuer geworden. Die Lebensmittelpreise liegen im Schnitt um die 50% über unseren. Australien ist kein preiswertes Reiseland. In dieser Gegend können wir uns aber endlich auch mal wieder sportlich betätigen und entscheiden uns für eine Radtour durch die Weinberge, bevor es weiter nach Adelaid geht.
Adelaide gefällt mir mit seinen aus der englische Kolonialzeit errichteten Gebäuden ausgesprochen gut. Hier ist alles sehr übersichtlich und relaxt und doch gibt es ein gewisses Großstadtflair. Wir machen Bekanntschaft mit einem netten Tief, dass kalten Wind und nur 14 Grad mitbringt. Wir erkunden die Stadt und haben alles an, was wir mit haben. Unsere dicken Sachen hatten wir von Johannesburg nach Hause geschickt, da wir uns sicher waren, diese nicht mehr zu benötigen, so kann man sich irren
Unser Campingplatz liegt direkt am Fluss und sehr zentral, so dass es ohne Reservierung schwer ist überhaupt einen Platz zu bekommen. Das schärfste ist der Campingwart, der den Platz wie beim Militär führt. Peter wird genau eingewiesen und er ist erst zufrieden, als das Auto auf dem Milimeter so steht, wie er es will. Ich muss mir ein Lachen verkneifen und Peter bitten nichts zu sagen, nicht dass der Typ uns wieder vom Platz schmeisst. Als wir am nächsten Tag mit dem Camper einparken kommt er wieder kontrollieren. Nur meine Eltern sind am Auto und er fordert meinen Vater auf, dass Auto um einen Fuß zu versetzen. Der Nimmt seinen Schuh, stellt ihn hinters Auto und setzt um die Schuhlänge zurück. Jetzt ist der Platzwart zufrieden und wir kommen uns vor, wie in einem schlechten Film. Eigentlich sind die Australier unkompliziert und relaxt aber es gibt offenbar auch immer die berühmten Ausnahmen. Hier stehen jedenfalls alle stramm, wenn der Platzwart kommt.
Leider geht es meinem Vater nicht besonders gut. Er hat seit mehreren Tagen ein starkes Nervenreißen, dass sich über die linke Kopf- und Gesichtshälfte zieht und so schlimm ist, dass wir schließlich zur ersten Hilfe ins Krankenhaus müssen, da kein Medikament hilft. Hier ist man sehr bemüht und nach 8 Stunden warten und untersuchen gehen wir mit neuen Medikamenten los. Leider scheinen dies die Falschen zu sein. Es geht ihm jedenfalls noch schlechter, so dass wir nach ein paar Tagen wieder zur ersten Hilfe müssen. Wieder verbringen wir den Tag im Krankenhaus. Diesmal ist ein anderer Arzt da und wir verlassen das Krankenhaus mit neuen Medikamenten. Diesmal zum Glück die Richtigen. Schon am nächsten Tag befindet er sich auf dem Weg der Besserung und wir sind alle glücklich.
Nicht so glücklich sind wir über die Tatsache, dass Peter uns verlassen wird. Inzwischen ist Jörg mit unserem Segelboot in Brisbane/Manly eingetroffen und fängt an es für den Verkauf vorzubereiten. Wieder ist es viel mehr Arbeit als bereits befürchtet und Peter beschließt zum Boot zu fliegen, um zu helfen. Wir sind natürlich traurig unseren vierten Mann zu verlieren und nehmen schweren Herzens Abschied. Er fliegt nach Brisbane, bricht aber erstmal zu einer Wanderung auf, bevor es ans Arbeiten gehen soll. Wir verlieren nun auch gleichzeitig unseren Koch, der nochmal ein leckeres Abschiedessen zaubert,



































































